Fortsetzung der E-Mail "Die meisten Leute wissen nicht was sie wollen..."
"... das aber mit voller Kraft!"

"Politikwissenschaftler" ist mein offizieller Abschluss. Zur Strafe. Der Wisch mit dem Stempel der Hamburger Uni liegt in irgend einer Kiste.
Was hat er mir gebracht?
***
Zwei Jahre später war ich auf Hartz IV, ziemlich abgebrannt in München unterwegs, und nochmal zwei Jahre später lag ich in Berlin darnieder mit zerfetzter Bandscheibe und fassungslosem Blick.
Auf meiner Silent-Webseite steht irgendwo geschrieben:
Ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich Tabula Rasa machen musste. Es war Zeit für Eingeständnisse. Dass ich „falsch programmiert“ war, und mich dringend umprogrammieren musste, wenn ich aus mir noch etwas machen wollte.
Es war eine schmerzhafte Zeit für meine persönliche Entwicklung. Es war die Zeit des endgültigen „Ausstiegs aus der Welt des Wunschdenkens“…
Die Wunschdenken-Welt ist die Welt von Weihnachtsmann, Osterhase, Zahnfee, Frau Holle, bösem Wolf, „guten Schulnoten“ und „sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“.
Ich dachte ja eigentlich, damals als diplomierter Student, dass ich bereits alles durchschaut hatte: Der Weihnachtsmann war Onkel Detlef, Frau Holle „nur“ ein Märchen und der Wolf ausgerottet.
Und ich wusste auch, dass manche Ehen eben nicht bis ans Ende ihrer Tage hielten, denn meine Eltern überraschten mich im Kindesalter von 10 Jahren mit einer Scheidungsbombe aus heiterem Himmel.
Diese wurde zwar erst 10 Jahre später final gezündet, aber der Schaden an mir als unschuldigem Kind war angerichtet, und mein Vertrauen in den schönen Schein generell nachhaltig gestört.
Folglich hielt ich mich als 27-jähriger Student für ultra abgeklärt.
Schließlich war ja auch mein Heimatland DDR abgeraucht ...
Was für Enttäuschungen im Leben braucht es noch, um endgültig zum Realist zu werden?
Antwort: Tausend weitere Enttäuschungen. Es brauchte noch ein gescheitertes Filmstudium um den Traum vom Filmemacher zu beerdigen.
Es brauchte einen querliegenden Weisheitszahn um den Traum von vollständigen Gebiss bis ins hohe Alter zu beerdigen.
Es brauchte einen Börsencrash um meinen Traum vom Börsengenie zu beerdigen.
Und es brauchte Krankheit und Armut, um mich vom Traum einer Karriere aufgrund „guter Noten“ zu befreien.
Es gab wohl einen Schock-Moment während meiner Bandscheiben-Malaise, der alles änderte.
Ich kann diesen Moment nicht festmachen, vielleicht waren es mehrere Momente, aber ich vermute dass ein wichtiger neuer Gedanke ausschlaggebend war:
Dass ich nämlich nicht mehr die Welt für meinen erbärmlichen Zustand verantwortlich machen kann. Sondern nur mich selbst.
Meine Bruchlandung war auf meinem Mist gewachsen.
Ich selbst, niemand sonst, war verantwortlich, kein Arzt, kein Politiker, kein Krankenkassensachbearbeiter, kein Bankangestellter, kein Papa oder Mama, kein Lehrer oder sonst wer.
Ich, allein!
Ich allein war in Wahrheit verantwortlich! Bankrott sein, krank sein, isoliert sein, pessimistisch sein, arrogant sein, gelangweilter Biertrinker sein - alles meine Schuld.
Würde ich die Verantwortung dafür endlich übernehmen?
Was heißt es denn überhaupt, dass man Verantwortung übernimmt?
Es heißt zunächst einmal, dass man leider keine Ausreden mehr hat. Es heißt aber auch, und das ist entscheidend, dass man plötzlich eine Art Ermächtigung erhält, also Macht über sich selbst und seine Umstände. (Das ist total krass, wenn ich das mal so sagen darf.)
Nie hatte ich so etwas gespürt: Dass wenn ich am Ende für Alles gerade stehen muss, dass ich dann auch die Macht über Alles übernehmen muss. Und darf! Und soll!
Hier kommt der Aha-Moment: Sobald man die gesamte "Schuld" an der eigenen Misere auf sich nimmt, kommt man plötzlich damit klar!
Seine Schuld "outzusourcen" macht einen hingegen sehr ohnmächtig. Ich möchte es laut schreien: "Ohnmacht und Macht sind absolut das Gegenteil voneinander! Ohnmacht ist die Hölle! Macht ist Leben!!"
Niemand, der in die Selbstverantwortlichkeit kommt, wird dieses Gefühl persönlicher Souveränität jemals wieder eintauschen wollen.
Im Gegenteil.
Jeder, der auf den Geschmack gekommen ist, wird sich früher oder später Aspekt um Aspekt seines Leben unter die eigenen Fittiche zurückholen, und...
... Unternehmer werden statt Angestellter bleiben...
... selbst fürs Alter vorsorgen statt auf staatliche Rente vertrauen (und das Konzept „Rentner“ sogar in Frage stellen, es ist nicht in Stein gemeißelt, sondern eine moderne Erfindung)...
... und sich selbst maximal für seine Gesundheit interessieren, anstatt die Gesundheit an den Arzt auszulagern...
... und sich für Ernährung zu interessieren anstatt auf alberne NutriScores zu vertrauen...
... das Steuersystem ausnutzen statt nur an ihm zu leiden...
... der absolute Herr über seine Zeit sein, statt seine Arbeitszeit zu verkaufen.
Und so weiter.
Überhaupt, Zeit! Ich war nie glücklich bis zu dem Tag, als ich plötzlich Zeit hatte und trotzdem Geld verdiente.
Und zwar mehr Zeit als je zuvor, und mehr Geld als je zuvor. Nicht weil ich im Lotto gewann, sondern weil ich es irgendwann als Ziel formulierte:
Ich erschaffe aus dem Nichts eine möglichst effiziente Business-Struktur, die mir genug Befriedigung, Zeit und Geld verschafft, um den Dingen nachzugehen, die außerdem noch wichtig sind.
Zum Beispiel das Kochen für die Familie.
Körperlich fit und mental wach zu bleiben, vormittags Steuerlektüre oder Bücher übers Investieren zu lesen anstatt in einem Meeting zu sitzen, und nachmittags nach der Sauna zu meditieren - all das bezeichne ich als Teil meiner Arbeit.
Nein, es ist meine Arbeit! Selbst wenn es angenehm ist und von außen betrachtet wir die pure Faulheit aussieht (bloß weil ich eine Doku auf Youtube schaue?!)
Es ist meine Arbeit, weil ich es so für mich entschieden habe. Und manchmal schreibe ich auch Rundmails 🙂
Seit meiner Geburt habe ich an der Welt herumgemäkelt. Ich habe zeitlebens verlangt, dass sich erst die Gesellschaft ändern müsse, bevor ich ihr etwas von mir geben würde.
„Erst nehmen, dann geben“ - das war mein Credo, und ich wusste nicht mal, dass es mein Credo war, und ich ahnte auch nicht, wie destruktiv und selbstsabotierend das war.
Meine Leidenszeit als Bettlägriger und scheiternder Filmstudent wurde zu einer Zeit des brutalen Erwachens. Ich erkannte, wo ich war.
Tiefer im Kerker des Wunschdenkens, als ich es mir vorher ausmalen oder eingestehen konnte.
Hier ein paar Gedankenfetzen meines typischen Wunschdenkens:
„Eines morgens werde ich aus dem Bett steigen, und ohne etwas dafür getan zu haben plötzlich… gesund sein… reich sein… keine Brille mehr tragen… mich ausgeschlafen fühlen… jünger aussehen… begehrenswert sein… frei von Alkohol, Zigaretten und Zuckersucht sein… wieder schlank sein ohne diesen Speckgürtel… wieder Haare auf dem Kopf haben… und 100 beste Freunde haben… und bloß keine Kinder.“
Schlüsselwörter hier: „eines Tages“ und „ohne etwas dafür getan zu haben“.
Und zwar mit aller Kraft: nichts.
Das sind zwei Hinweise auf Wunschdenken-Kerker. „Eines Tages“ bedeutet irgendwann, also vielleicht nie, und das ist diffuser Traumschleim.
„Ohne etwas getan zu haben“ bedeutet, dass mir der Aufwand viel zu hoch gewesen wäre. Dass ich es ja gar nicht einsehe, Ziele zu formulieren und dann auch noch fokussiert zu verfolgen!
So etwas ist doch nur was für Verlierer, die nicht cool genug sind, einfach in den Tag hinein zu leben und sich vom Leben treiben zu lassen. Außerdem steht mir ja sowieso alles zu.
Die Realität ist nun aber eine harte, und die Realität gewinnt am Ende immer. Von nichts kommt nichts. Es tut mir leid das sagen zu müssen, ich wünschte die Welt wäre anders, aber sie ist nun mal so wie sie ist!
Von Wünschen allein passiert gar nichts, und reines Wunschdenken obendrein ist toxisch.
Krankheit geht nicht von allein weg, Übergewicht und Mundgeruch auch nicht.
Angelschein, Segelschein, Funkschein, Jagdschein - und eine Steuerrückerstattung - flattern nicht ins Haus, bloß weil man einfach so in den Tag hinein lebt.
Die Wand streicht sich nicht von allein.
Als Student und Idealist kam ich noch irgendwie darüber hinweg, wenn mein Windows-Computer wieder einen „Ausnahmefehler“ produzierte und 5 Seiten frischgetippter Text weg waren.
Ich redete mir die Wut darüber noch schön: „Der Verlust war bestimmt für einen guten Zweck, alles hat einen tieferen Sinn…“
Als Unternehmer verzichte ich auf diesen tieferen Sinn, und würde es meinen Apple-Geräten nicht verzeihen auch nur 5 Zeilen zu verlieren.
In gewisser Weise bin ich knallhart geworden.
Und gleichzeitig bin ich auf eine andere Weise butterweich, denn wenn meine Kinder einen Herzenswunsch äußern, kann und will ich ihn meistens erfüllen. Denn ich habe mehr als genug Zeit für meine Kinder.
Als Angestellter fühlte ich mich ständig von Kündigung und Unterbezahlung und stagnierender Karriere bedroht. Und man raubte mir meine gesamte Zeit! 40 Stunden pro Woche an einem Ort, an dem ich nicht wirklich sein wollte.
Die Aussicht, mein ganzes Leben "immerzu" in einer anderen Firma arbeiten zu müssen, deprimierte mich seit kleinauf. Wer hatte sich das bloß ausgedacht!!
Ausweg? Die Lage ignorieren.
Mir eine Portion Wunschdenken aus dem Ärmel saugen.
Weiterträumen.
Irgendwann aufwachen und urplötzlich reich sein. Bis dahin erstmal Schaf bleiben wie die meisten. Aber ein cooles und extrem abgeklärtes Schaf.
Und eins mit einem Diplom.
Apropos Diplom. Niemand wollte mein tolles Diplom jemals sehen. Es hat mir im Berufsleben nichts gebracht, es ist ein „Jodeldiplom“.
Um in der Werbung zu arbeiten muss man gut texten können und lustige Ideen haben, und beides habe ich nicht an der Uni gelernt.
Und ganz ehrlich, mit dem Wissen von heute würde ich mein Studium auch nach den Vordiplom abbrechen. Ich traue mich kaum, dies laut auszusprechen. Aber ist es so.
Ich tat viel zu lange so, als würde ich den „ganz normalen Weg“ vieler Millionen Zeitgenossen mitgehen können - das war mein ganz persönliches Wunschdenken:
Ich muss nur gute Noten schreiben, und einen guten Lebenslauf mit in die Bewerbung packen, dann kann ich mir meinen Job aussuchen. Pustekuchen.
Gut so, denn ich wäre einer dieser Angestellten gewesen, die irgendwann ein Magengeschwür entwickelt hätten, aufgrund innerer Kündigung seit dem ersten Arbeitstag.
Ich gehörte immer zu denen, die gefeuert oder eben nicht übernommen werden. Das ist die Realität. Kein Wunschdenken der Welt hätte mich vor dem Geschwür beschützt.
Die harte Wahrheit ist, dass mir dies nicht vergönnt war.
Sondern dass ich eben etwas verrückt bin, und daher unorthodoxe Wege gehen muss, und das ich diesen Weg quasi erst erfinden muss.
Erst als ich dies einsah, und als Fakt anerkannte, konnte ich mich aus dem Kerker des Wunschdenkens befreien. Das erste was ich erblickte, als ich aus meinem mentalen Kerker ausbrach, war: Jede Menge Arbeit.
Um mich vom Schaf in einen waschechten Tim Daugs zu verwandeln musste ich die meisten Dinge, die ich bis dato gelernt hatte, und die mir selbstverständlich vorkamen, schnell „verlernen“.
Stattdessen musste ich mir zunächst autodidaktisch neues Wissen aneignen. Fachwissen über Webhosting, Email-Marketing, Körperschaftssteuern, Zeitmanagement, Produkterstellung, Kundensupport.
Heute bringe ich mir andere Dinge bei, denn meine Interessen und Schwerpunkte ändern sich mit den Jahren.
Ich habe kostbare Zeit verschwendet an der Uni.
Viel Geld hat es meine Eltern gekostet, und mich meine tatkräftigsten und energiereichsten Jahre... weil ich damals keine Ahnung hatte von der Realität, weil ich nicht wusste was ich werden wollte im Leben.
Wenn Sie, wie ich die meiste Zeit meines Lebens, weiter träumen möchten, dass Sie „eines Tages“ und „ohne Zutun“ vom Leben reich beschenkt werden, dann Finger weg von meinen Produkten! Sie werden eine einzige Enttäuschung erleben.
(Schafe müssen leider draußen bleiben.)
Wenn Sie jedoch bereits in der Selbstverantwortung angekommen sind, und Werkzeuge suchen um auf ihrem Weg voranzukommen, dann dürfen Sie sich gerne reichlich an meinen mentalen Produkten bedienen.
Sofern Sie also in 4 Monaten einigermaßen gut eine neue Fremdsprache beherrschen wollen, oder in den nächsten 2 Wochen die verblüffende Erfahrung machen wollen, dass man mit speziellen Tönen sein Stressniveau normalisieren kann, oder wenn auch Sie sich mit Affirmationen bewaffnen wollen, die Ihnen helfen ihre klar geäußerten Ziele zu erreichen („Ich erschaffe bis zum Sommeranfang eine möglichst effiziente Business-Struktur, die mir viel freie Zeit und einen beträchtlichen finanziellen Überschuss verschafft“) dann herzlich Willkommen bei Tim Daugs.
